< Übersicht

Ultraschallgerät und die spannende Reise in den Kongo im März 2016

Ich möchte Ihnen von meiner im März stattgefundenen und sehr spannenden Reise in den Kongo berichten. Zuerst bin ich in der Hauptstadt Kinshasa gewesen, und danach habe ich meine 84-jährige Mutter in Kisangani besucht. Kisangani ist die drittgrößte Stadt des Kongos und ist mit dem Flugzeug von Kinshasa in einer Stunde und 45 Minuten zu erreichen. Von Kisangani bin ich weiter nach Isiro geflogen, wo ich das letztes Mal vor 20 Jahren war. Der Flug dauert eine Stunde. Auf Grund des unregelmäßigen Flugverkehrs zwischen Isiro und Durba konnte ich leider nicht unsere Projekte in Durba besuchen. Wie Sie wissen, ist der Kongo so groß wie Westeuropa, bzw. sieben Mal größer als Deutschland, und da kann man eben nicht mal so einfach hin und her reisen.

Die Hauptstadt ist immer in Bewegung

Die Hauptstadt Kinshasa wächst ohne Rücksicht auf irgendwelche Urbanisierungspläne und erstreckt sich heute auf einer Länge von 60 km entlang des Flusses Kongo. Sie hat inzwischen mehr als neun Millionen Einwohner. Viele Menschen ziehen aus den Provinzen nach Kinshasa. Sie fliehen vor der bewaffneten Gruppen und Sicherheitskräften, die zahlreiche Menschenrechtsverletzungen im Nordosten des Landes verübten. Sie kommen in der Hoffnung in Kinshasa arbeiten, studieren oder auch auf dem Schwarzmarkt Geschäfte machen zu können.

Die „Kinoises“ und „Kinois“, so heißen die Bewohnerinnen und Bewohner von Kinshasa, sind immer in Bewegung. Mit dem Sonnenaufgang strömen die Kinois(es) in die Innenstadt. Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, setzt sich dann erneut ein riesiger Menschenstrom in Bewegung, nun von der Innenstadt in die Vororte und die Peripherie hinaus. So ist es jeden Tag. Durch die Straßen und entlang des Boulevards zwischen dem Internationalen Flughafen N’Djili und der Innenstadt Gombe zieht sich ein Strom von Männern, Frauen und Kindern. Diese Menschen können in vier Kategorien eingeteilt werden: Straßenkinder, HändlerInnen, „Stehende Abgeordnete“, Beamte und Arbeiter. Die Beamten und Arbeiter gehen ins Büro oder in die Firma. Die HändlerInnen zieht es zum Zentralmarkt oder sie verkaufen Fisch, Brot, Fufu (Manjokbrei) und Gemüse auf der Straße. Die „Stehenden Abgeordneten“ sind arbeitslose Intellektuelle, die den ganzen Tag Zeitung lesend und diskutierend auf der Straße verbringen. Ihre Lieblingsthemen sind Politik, Sport oder auch Musik. Doch der lange Kampf um die Demokratisierung des Landes hat die Kinois(es) sehr politisiert.

Zuflucht auf der Straße

Die letzte Gruppe bilden die Straßenkinder. Einige von ihnen sind überall mit ihrem Schuhputzzeug unterwegs, andere mit mobilen Läden. Sie waschen auch Autos und überleben durch diese Art von Dienstleistungen. Viele Kinder müssen betteln und sich prostituieren. Es sind die verlassen Kinder, die Waisen, die behinderten Kinder, die nur auf der Straße Zuflucht finden.

Zuflucht bei Sekten

Einige Kinois(es) finden Zuflucht in Sekten und neuen religiösen Bewegungen. 1979 gab es im Kongo 1050 Sekten, die allesamt verboten wurden. Dennoch hat sich die Zahl in den letzten Jahren erheblich vergrößert. Jeder Stadtteil hat seine Gemeinschaften oder Kirchen. Ihre Mitglieder versammeln sich, singen und schreien den ganzen Tag. Der Prophet oder Pastor (so nennt man den Sektenführer) wird als Vertreter Gottes auf Erden bezeichnet. Die Predigt bezieht sich zumeist auf die Person des Propheten und auf die von ihm angeblich gewirkten Wunder. Die Sekten besitzen ihre eigenen Medien: Rundfunk und Fernsehen. Spenden spielen eine große Rolle, wenn man erlöst werden will. Dadurch werden die Sektenführer immer reicher, die Sektenmitglieder hingegen immer ärmer. Die Sekten sind wahrhaft zum Opium der Kinois(es) geworden.

Zusammenbruch eines ganzen Landes

Wie kann diese Situation in Kinshasa erklärt werden? Die Gründe liegen wohl in erster Linie im Zusammenbruch der sozialpolitischen und wirtschaftlichen Strukturen des Landes. Es mangelt an Verkehrs-und Nahrungsmitteln, an Schulen und Krankenhäusern.

Leute, die Arbeit haben, bekommen kein regelmäßiges monatliches Gehalt. Die Korruption hat sich auch fortgesetzt. Die Auswirkungen der Armut und die drastische Verringerung der Kaufkraft sind allenthalben offensichtlich. Viele Familien haben nur eine einzige Mahlzeit am Tag. Es sind die Frauen, die mit Kleinhandel oder Feldarbeit dafür sorgen, dass die Familien überleben können.

Kinshasa, la belle (die Schöne)

Aber das ist nur ein Teil der Wirklichkeit in Kinshasa. Man nennt Kinshasa auch „Kinshasa, la belle“ (die Schöne). Kinshasa gilt als große Stadt der Kultur, der Musik und des Tanzes in Afrika. Kinshasa – das bedeutet nicht nur Straßenkinder, Sekten und Hunger, sondern auch vielfältige Schönheit: die wunderschöne Natur des Hochlandes, der Bateke, eindrucksvolle Wasserfälle, farbenprächtige Stoffe, Kunstwerke... Kinshasa ist auch Freude und Fröhlichkeit. Zur Freude gehören Musik, Tanz und Trommeln. Kinshasa verkörpert mit seinem kongolesischen Messritus das „Klischee des religiösen Tanzes“ in Zentralafrika. In Kinshasa haben wir die Osternacht fünf Stunden lang (von 19.00 Uhr bis 00.00 Uhr) gefeiert. Im Kongo sagt man: „Die Europäer haben die Uhren und die Afrikaner haben die Zeit“.

Ultraschallgerät für die Klinik Brauhardt in Durba

Zum Schluss möchte ich Ihnen ein paar Worte über unsere Kongo-Projekte sagen. Unsere Mitarbeiter in der Brauhardt-Klinik sind tapfer, und trotz Schwierigkeiten sind sie immer für die kranken Menschen da. In den letzten Tagen ist die Zahl der Patienten drastisch gestiegen, infolgedessen gibt es Mangel an Krankenbetten und Matratzen. Unser Mitarbeiter Godefroid Mikanda hat uns gebeten, 10 Matratzen zu besorgen, bzw. einen neuen Raum für stationäre Versorgung der Kranken zu bauen. Ein zweites und wichtiges Anliegen betrifft die Anschaffung eines qualitativ guten Ultraschallgeräts für die Entbindungsstation in Durba. Ultraschallgerät Mindray DP-30 kostet 6.600,00 € inkl. 2 Sonden und Drucker. Eine zusätzliche „Intercavitary Vaginal Sonde 65EC10EA“ beträgt 1.844,40 €. Dazu müssen wir noch die Transportkosten von Deutschland nach Uganda, die Verzollung und Abholung in Kampala-Flughafen rechnen. Wir brauchen mindestens 10.000,00 Euro.

Das Spendenaufkommen ist momentan sehr gering, und die Zeiten sind eher schwierig geworden. Wir sind deshalb in besonderen Maße auf Ihre Unterstützung für unsere Kongo-Projekte angewiesen. Es gibt vielleicht Gelegenheiten im Leben zu spenden. Wenn Sie z. B. Geburtstag, Hochzeit oder Jubiläum feiern, können Sie bei diesem persönlichen Feiertag anstatt eines Geschenkes um eine Spende für Kongo-Projekte bitten.

Spenden für die Herbert Brauhardt Klinik

SpendenkontoSparkasse Krefeld Kongo Social-Care e. V.
IBANDE15 3205 0000 0000 2770 04
BICSPKRDE33
Verwendungszweck   Ultraschallgerät

Ich danke Ihnen im Namen der Kongolesinnen und Kongolesen, denen Sie mit Ihrer Unterstützung helfen konnten. Denn die Freude, die Sie den KongolesInnen geben, kehrt ins eigene Herz zurück.

Jean-Bertrand Madragule Badi (Pater Badi OP),
Vorsitzender Kongo Social-Care e. V.

< Übersicht